GAIA`s Traum

EPISODE 1
Es war einmal…..
Es herrschte Frieden. Überall auf mir. Stille. Menschen versammelten sich. Einer nach dem anderen. Mehr und mehr. Sie kamen aufgrund der Krise zusammen. Sie nannten sie Klimawandel, Krieg, Hunger, Verlust der Artenvielfalt, Umweltverschmutzung und Armut, nur um einige zu nennen.
Sie versammelten sich. Viele von ihnen. Hunderttausende. Von ganz jungen bis ganz alten Seelen. Von hochblasser bis hin zu sehr dunkler Haut. Von äußerst arm bis zu extrem wohlhabenden Persönlichkeiten. Von durch Verletzung verschlossenen bis hin zu hoffnungsvoll geöffneten Herzen. Sie alle fanden sich zusammen.
Sie sammelten sich aus tiefster Seele. Aus ihren Wesen, ihren Essenzen, ihrem Innersten. Sie schlossen sich in Stille zusammen. Und sie versammelten sich auf der ganzen Welt. Friedvoll. Mit Liebe.
Sie kamen zusammen, um Wohlwollen, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit zu kultivieren.
Dies war der Beginn einer Reihe von neu entstehenden Ritualen, und was heute als Experiment begann, sollte später zu einem vierteljährlichen Zeremoniell für alle Menschen auf der Erde werden.
Das einzige Geräusch, das mich, die Welt, bedeckte, war ein “om”.

EPISODE 2
“So viele wie möglich”, lautete das, was sie seit ein paar Wochen wünschten. “In der schönsten aller Welten würden alle Menschen teilnehmen”, war ihr Anliegen.
Es war Dezember 2019. Mitternacht in Helsinki, 3 Uhr in Mumbai, 14 Uhr in San Francisco, 6 Uhr in Tokio, 18 Uhr in Rio de Janeiro, 23 Uhr in Kapstadt, 8 Uhr in Canberra, 22 Uhr in Kinshasa, 16 Uhr in Bogota. Genau in diesem Augenblick der vollen Stunde in allen Städten auf mir, der Welt, begannen die Menschen überall zu summen.
” Om”.
Ihr Ziel war es, den Klang des globalen “Om” rund um die Uhr aufrechtzuerhalten. Ich konnte die Schwingungen des “Om” über meine gesamte Erdoberfläche und weiter bis tief in das Innere meines Körpers spüren. Ich konnte fühlen, wie die Wellen durch meine Atmosphäre, weiter hinaus ins Universum, strömten.
Das “om” repräsentierte den Neuanfang des menschlichen Lebens. Jeder teilnehmende Mensch auf mir, kultivierte Liebe. Sie sendeten sich gegenseitig Gutherzigkeit, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit.
Vierundzwanzig Stunden Frieden. Vierundzwanzig Stunden Stille. Vierundzwanzig Stunden liebevolle Freundlichkeit.
Zuerst waren es Hunderttausende. Dann schlossen sich ihnen Millionen an. Und am Ende waren es mehr als sieben Milliarden.

EPISODE 3
Das Schwingen der Liebe, des globalen “Om”, ging durch mein ganzes Ich hindurch. Ich spürte es von der tiefsten Stelle meines innersten Kerns bis hin zur äußersten Schicht meiner Ozonhaut. Der heilige Klang des “om” schenkte mir ein gesundes, ausgeglichenes, freudiges und ausgeglichenes Wohlgefühl. Es schien “Ja!” oder “Willkommen!” oder “Schön, dass du hier bist!” zu sagen. Ich hatte diese Empfindung, keine Begrenzungen mehr zu haben, als wäre ich unendlich, und ich fühlte, dass es möglich ist, das feinste Wesen in mir entfalten zu können. Es erschien mir wie die ultimative Realität, wie die Ursache des Universums.
Lange Zeit war die Energie auf mir gering, bedingt durch Wut, Angst, Trauer und Scham. Ich fühlte mich im Ungleichgewicht und krank. Heute empfand ich diese Energie als neu, überwältigend, einzigartig, einfach schön. Sie gab mir das Gefühl, gesund, ausgeglichen und in Ordnung zu sein, genau wie ich es war. Eine vergnügliche kribbelnde Kraft ging durch mich hindurch.
Unvermittelt kamen alle Teile von mir in die Stille, meine Ozeane, meine Oberfläche, meine Atmosphäre, meine Wesen. Alles war ruhig.
Zum ersten Mal seit das Leben auf mir, der Welt, begann, konnte ich endlich die Augen schließen, mich entspannen, zurücklehnen und vertrauen. Und mit diesem Vertrauen konnte mein Verstand wieder klar denken.
Ich zitterte vor Freude. Denn schon vor langer Zeit hatte mir ein gelehrtes Wesen gesagt, dass der leere Geist und der aktive Geist im Grunde am besten funktionieren würden, wenn sie die Chance hätten, zusammen zu sein. Ich hatte es nie verstanden.
Bis heute.

EPISODE 4
Vierundzwanzig Stunden später wachte die Menschheit mit dem noch immer globalen “om” auf. Es war Frieden. War Liebe. Es war die nächste Mitternacht in Helsinki, 3 Uhr in Mumbai, 14 Uhr in San Francisco, 6 Uhr in Tokio, 18 Uhr in Rio de Janeiro, 23 Uhr in Kapstadt, 8 Uhr in Canberra, 22 Uhr in Kinshasa, 16 Uhr in Bogota. Noch immer summend, bereiteten sie sich darauf vor, in den Alltag einzusteigen. Wie immer. Und zu gleicher Zeit so neu wie nie zuvor.
Auch die Menschen hatten genauso verstanden wie ich, wie der leere Geist es unserem aktiven Geist ermöglichen würde, neu zu denken. Zu denken, wie die Menschen noch nie zuvor gedacht hatten.
Ihre Aufgaben in ihrem Leben, ihre Jobs, ihre Herausforderungen wären immer noch dieselben. Die Probleme auf mir hatten sich über Nacht nicht verändert. Doch etwas sehr Wichtiges hatte sich grundlegend geändert. Die Menschheit hatte sich in den letzten 24 Stunden miteinander verbunden. Sie hatten sich mit ihrem inneren Selbst, mit den anderen Wesen und mit mir, der Welt, versöhnt.
Die Menschen hatten ihren Geist heruntergefahren und ihn dann wiederbelebt, der nun das ganze Bild visualisieren konnte, der nun versuchen würde, die Ursachen für die Entwicklung auf mir zu verstehen, anstatt wie zuvor einzelne Systeme zu behandeln, was zu noch mehr Verzweiflung geführt hatte.
Obwohl es immer noch Schwierigkeiten auf mir gab, litten die Menschen nicht mehr.
Auch wenn es immer noch Herausforderungen auf mir gab, strebten die Menschen nicht nach einer Lösung.
Auch wenn es immer noch ein unausgewogenes Gewichtverhältnis auf mir gab, empfanden die Menschen keinen Neid.
Überall dort, wo ich hinein spürte, begegnete mir die Botschaft von Gutherzigkeit, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit. Das Bild, das ich sah, war erfüllt von sehr ruhigen und versöhnlichen Menschen.

Episode 5
Einen Tag später hatte sich auf mir, der Welt, nichts verändert. Und doch hatte sich alles verändert. Wie konnte das sein? Ich wanderte auf meiner Oberfläche herum, wo das Leben zu passieren schien, wie es immer war. Dennoch. Irgendwas war anders und ich hatte keinen Namen dafür. Alles war so ruhig.
Ein Wind berührte meine Nasenspitze. Welch ein warmer, weicher, freudig kichernder Wind, dachte ich für mich und stolperte über meine eigenen Gedanken. Wie könnte ein Wind kichern? Weshalb entstehen diese Gedanken in mir? Woher nur stammt dieser Wind?
Als ich in den Himmel blickte, sah ich Magie geschehen. Die Antwort auf meine Fragen war da, stand direkt vor mir. Sie waren da, und sie waren es nicht. Ein Drache. Und ein Phönix. Sie tanzten. Sie schufen den Eindruck von Hingabe, Mitgefühl, Freude und Unbeschwertheit, eine Energie, ein Wind, ein freudiges Kichern. Ich spürte es wieder, die gleiche Essenz der letzten Tage, nur noch stärker. Es war eine Idee von etwas sehr Ruhigem und Versöhnlichem. Es hatte keinen Namen, denn es war größer als Liebe, heller als Licht, weicher als Federn. Ich hatte das Gefühl, ein neugeborenes Kind zu sein, sorgfältig in warme, liebevolle Arme eines Elternteils gehüllt. Und ich hörte eine schöne Melodie. Der ruhige, schaukelnde Rhythmus der Arme meines Elternteils, die freundliche Harmonie, ließ mich einschlafen – getragen von den Worten eines Liedes: